Pflegelexikon
Jeder erwachsene Mensch braucht täglich zwei bis drei Liter Flüssigkeit, um alle Organe ausreichend zu versorgen und die vitalen Lebensfunktionen zu erhalten. Dies gilt insbesondere auch für Senioren. Der Körper verliert Wasser über die Nieren, den Darm, die Haut und die Atmung. Besonders groß ist der Bedarf bei Fieber, in überheizten Räumen, bei körperlichen Anstrengungen, Durchfall und Erbrechen. Flüssigkeit wird entweder über Getränke oder wasserhaltige Nahrungsmittel wie Obst oder Suppe zugeführt.
Bei Senioren muss besonders auf eine ausreichende Versorgung mit Getränken geachtet werden, da mit zunehmendem Alter das Durstempfinden nachlässt. Häufig wird das Trinken vergessen oder aus Angst vor Inkontinenz oder nächtlichen Toilettengängen bewusst reduziert. Auch körperliche Einschränkungen, die das Erreichen der Getränke innerhalb der Wohnung oder den Einkauf mühsam machen, sorgen für Flüssigkeitsdefizite. Eine Gefahr stellt auch die geringe Nahrungsaufnahme dar, da damit die in den Lebensmitteln enthaltene Flüssigkeit wegfällt.
Erhält der Körper nicht genügend Flüssigkeit, besteht nicht nur im Sommer die Gefahr der Dehydrierung. Eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme vermindert die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Haut und Schleimhäute trocknen aus. Das Blut wird bei Wassermangel eingedickt und die Wirkung von Medikamenten verändert sich. Ein beschleunigter Puls, ein Anstieg der Körpertemperatur, Schwindel und Schwäche bis bin zur Desorientiertheit oder Apathie sind mögliche Folgen. Außerdem werden Verstopfungen und Infektionen der Harnwege begünstigt. Langfristiger Wassermangel führt zu schwerwiegenden Schäden. Bereits nach zwei bis vier Tagen ist der Körper nicht mehr in der Lage, harnpflichtige Substanzen ausreichend auszuscheiden. Nieren- und Kreislaufversagen sind mögliche Folgen.
Als beste Durstlöscher gelten zu Recht Trink- und Mineralwasser. Kohlensäurearme Mineralwasser sind hierbei verträglicher als kohlensäurereiche. Auch Fruchtsaftschorlen sind empfehlenswert. Fruchtsäfte bitte aufgrund ihres hohen Nährstoffgehaltes möglichst nur verdünnt genießen. Auch Kräuter- und Früchtetees bieten leckere Abwechslung. Limonaden, Cola- und Energydrinks sollten aufgrund ihres hohen Zucker- und Energiegehaltes nur selten getrunken werden.
Senioren, die zu wenig trinken, können sich morgens ihre Flüssigkeitsration für den Tag bereitstellen und eventuell auch in der Wohnung verteilen. Sie haben auf diese Weise leichten Zugriff und können so immer die noch zu trinkende Menge kontrollieren. Regelmäßige Abläufe trainieren das Trinkverhalten: Wird zu jeder Mahlzeit ein Getränk gereicht, wird dies schnell zur Selbstverständlichkeit. Zur Förderung der Flüssigkeitsaufnahme ist es hilfreich, wasserhaltige Lebensmittel wie Brühen oder Melonen, Tomaten und Gurken anzubieten und leere Gläser immer wieder zu füllen. Sinnvoll ist es, wenn Angehörige und Pflegepersonen beim Angebot von Getränken die persönlichen Vorlieben der Senioren berücksichtigen. Wir alle lieben Abwechslung, deshalb sollte auch der alte Mensch zwischen verschiedenen Geschmacksrichtungen sowie Heiß- und Kaltgetränken wählen dürfen. Auch der Einsatz von speziellen Gefäßen erleichtert das Trinken.
Auch ohne Durst zu haben, sollten sich ältere Menschen an eine bestimmte tägliche Flüssigkeitsaufnahme gewöhnen. Trinkprotokolle helfen bei der systematischen Erfassung und der Kontrolle der getrunkenen Rationen. Bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder gestörter Nierenfunktion sollte unbedingt der Rat eines Arztes hinsichtlich des Flüssigkeitsbedarfs eingeholt werden.
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