Pflegelexikon
Der Begriff "Stuhlinkontinenz" bezeichnet die eingeschränkte Fähigkeit, den Abgang von Gas oder Stuhl durch den After zurückzuhalten. Die Störung reicht vom gelegentlichen unkontrollierten Abgang von Gas oder Stuhl bis zum regelmäßigen unwillkürlichen Verlust größerer Stuhlmengen.
Eine der häufigsten Ursachen für eine Stuhlinkontinenz ist eine Verletzung oder Überdehnung der Schließmuskulatur und der allgemeinen Beckenbodenmuskulatur. Auch Unfälle, Operationen oder Infektionen im Bereich des Afters können die Darmschließmuskulatur schwächen oder teilweise zerstören. Aufgrund der mit fortschreitendem Alter nachlassenden Muskulatur können sich die Beschwerden im Laufe der Zeit verstärken.
Haben Sie keine Scheu, mit Ihrem Arzt über Ihre Beschwerden zu sprechen. Es gibt wirkungsvolle Behandlungsformen, die sich vor allem auf drei Pfeiler stützen. In einem ersten Schritt wird durch eine Diät - eventuell mit Unterstützung von Medikamenten - versucht, regelmäßige Stuhlentleerungen zu erreichen. Ein zweiter Schritt zielt mit einem speziellen Training darauf ab, die Muskulatur des Beckenbodens und besonders des Schließmuskels zu stärken. Diese Art des Trainings ist wichtig, da der Beckenboden die inneren Organe trägt und stützt sowie durch Zusammenziehen und Entspannen unter anderem eine kontrollierte Blasenentleerung ermöglicht. Sollten die Maßnahmen der ersten beiden Schritte nicht greifen, besteht die Möglichkeit einer Operation, in der der Schließmuskel wiederhergestellt und / oder die überdehnte Muskulatur des Beckenbodens gerafft wird. Eine Wiederherstellung der Kontinenz durch einen künstlichen Darmausgang (Stoma) ist nur selten notwendig. Im Rahmen von Forschungsprogrammen wird derzeit auch intensiv ein Ersatz des Schließmuskels durch andere eigene Muskeln oder Fremdmaterial geprüft.
Eine gesunde und ballaststoffreiche Ernährung ist eine wirksame Vorbeugung. Sie verhindert eine Belastung des Beckenbodens durch Verdauungsstörungen, Kreislaufbeschwerden und Übergewicht.
Bei der Behandlung von Stuhlinkontinenz geht es darum, den Darm gezielt zu entleeren. Hierfür gibt es spezielle Abführmittel. Da nicht jedes Mittel geeignet ist, sollte hier unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden. Eine weitere Möglichkeit, den Darm zu reinigen ist die Irrigation. Durch die vollständige Entleerung des Dickdarms hat der Betroffene danach für rund 24 Stunden keine weiteren Stuhlentleerungen zu erwarten. Außerdem gibt es spezielle Analtampons in verschiedenen Größen und Formen. Sie bestehen aus Schaumstoff und können vom Patienten selbst eingeführt werden. Bei liegenden Patienten kann außerdem ein Fäkalkollektor direkt am After angeklebt werden. Er besteht aus einem Plastiksack, in dem der Stuhl gesammelt wird.
Verwandte Begriffe:
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