Pflegelexikon

Hörsturz

Ein Hörsturz kommt ohne Ankündigung und trifft die Betroffenen wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Schätzungen zufolge erleiden mehr als 250.000 Menschen pro Jahr einen plötzlichen Hörverlust. Zumeist tritt die Erkrankung zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr ein. Die Betroffenen werden aber zunehmend jünger. Frauen sind genauso häufig betroffen wie Männer.

Symptome

Ein Hörsturz zeichnet sich dadurch ab, dass die Betroffenen plötzlich auf einem oder beiden Ohren nur noch sehr schlecht oder gar nicht mehr hören können. In zahlreichen Fällen verzeichnen die Patienten ein dumpfes Geräusch im Ohr, verspüren ein Druckgefühl oder fühlen sich schwindelig. Meist wird der Hörsturz von subjektiv empfundenen Ohrgeräuschen (Tinnitus) begleitet, also einem hohen Pfeifton, Rauschen, Klingeln, Zischen oder Summen. Etwa 50 Prozent aller Hörsturz-Fälle bilden sich innerhalb von 24 Stunden spontan zurück.

Ursache

Die genauen Ursachen des Krankheitsbildes werden noch erforscht. In den meisten Fällen, so die Annahme, liegt eine Durchblutungsstörung des Innenohres vor. Kleine Blutgerinnsel verursachen, ähnlich Gefäßverschlüssen bei einem Herzinfarkt, Verschlüsse der Blutgefäße. Folge ist, dass die Signal verarbeitenden Haarzellen nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe erhalten, was zu einer Funktionsminderung bis hin zum Absterben der Hörzellen führen kann. Auch Virusinfektionen, Störungen der Immunabwehr oder Funktionsstörungen der Nervenbahnen des Innenohrs werden als Ursachen des Hörsturzes genannt.

Risikofaktoren

Bei Patienten mit Arteriosklerose (Arterienverkalkung) besteht eine erhöhte Gefahr, dass Blutgerinnsel sich in den Gefäßen festsetzen und zum Hörsturz führen. Bluthochdruck und übermäßiger Nikotingenuss gelten ebenfalls als Risikofaktoren. Auch Herzerkrankungen wie Herzmuskelschwäche oder Angina pectoris können eine Minderdurchblutung der Haarzellen im Ohr bewirken. Außerdem gelten schwere seelische Belastungs- und Konfliktsituationen als Verursacher eines Hörsturzes.

Diagnose

Patienten mit den beschriebenen Symptomen sollten schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen. Der Spezialist wird feststellen, ob es sich um einen Hörsturz handelt oder eine andere Erkrankung oder Verletzung vorliegt. Wird der Hörsturz nicht rechtzeitig behandelt, besteht die Gefahr, dauerhafte Schädigungen des Hörvermögens zu erleiden oder sogar taub zu werden.

Therapie

Die Behandlung hat zum Ziel, die Durchblutung des Innenohrs wiederherzustellen, so dass sich die Haarzellen von der Unterversorgung mit Sauerstoff erholen können. Für die Therapie stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Bei der Infusionstherapie erhält der Patient beispielsweise intravenös über mehrere Tage Lösungen, die das Blut verdünnen. Dadurch verbessern sich die Fließeigenschaften des Blutes in den Gefäßen. Medikamente bewirken eine Erweiterung der Blutgefäße und somit eine Erhöhung des Blutflusses. Oder sie dienen zur Bekämpfung vorhandener Infektionen. Weiterhin werden Blutreinigungsverfahren angewandt, um Stoffe aus dem Blut herausfiltern, die den Blutfluss in den Gefäßen behindern.

Spätfolgen

Die häufigste Spätfolge eines Hörsturzes ist der so genannte Tinnitus, also subjektiv und als sehr störend empfundene Ohrgeräusche wie Pfeifen, Klingeln oder Rauschen.

Prophylaxe

Neben einer gesunden Ernährung, dem Verzicht auf Nikotin und dem Vermeiden von hoher Geräuschbelastung wird den Patienten empfohlen, Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Yoga zur Bewältigung von Stresssituationen zu erlernen.