Pflegelexikon

Harninkontinenz

Der Begriff "Inkontinenz" bezeichnet das Unvermögen, Urin und/oder Stuhlgang bewusst und kontrolliert zurückzuhalten. Gründ hierfür können körperliche Fehlbildungen, Folgen von Krankheiten oder Verletzungen sein. Harn-Inkontinenz, auch Blasensschwäche genannt, kann in jedem Alter auftreten, nimmt allerdings mit fortschreitendem Alter zu. Frauen sind aufgrund ihres Körperbaus häufiger von der Blasenschwäche betroffen als Männer. Inkontinenz ist nicht nur ein medizinisches Problem, sondern bedeutet vor allem für die Betroffenen eine große seelische Belastung. Patienten sollten das Thema offen mit ihrem Arzt besprechen. Es gibt für jede Form der Inkontinenz effektive Behandlungsmethoden.

Wie funktioniert der Harntrakt

Aus den Nieren fließt der Harn durch die beiden Harnleiter in die kugelförmige Blase. Hier wird der Urin gespeichert, bis er durch die Harnröhre entleert wird. Die Harnröhre wird über ein Verschlusssystem kontrolliert. Beim Füllen der Blase dehnt sich ihre Muskulatur. Über das Nervenzentrum im Rückenmarkt wird ein Reiz an das Gehirn geleitet, der den Harndrang meldet. Das Gehirn schickt dann den Impuls zur Blasenentleerung über das Rückenmark in den unteren Harntrakt. Harninkontinenz entsteht durch Störungen in den beteiligten Organbereichen, also in der Blasenmuskulatur, im Verschlusssystem der Harnröhre und im koordinierenden Nervensystem. Ist das System gestört, funktioniert die Blase als Speicherorgan nicht mehr richtig und signalisiert zu früh Harndrang oder entleert sich unkontrolliert. Ursachen für diese Störungen können beispielsweise Hormonmangel oder auch chronische Infektionen sein. Besonders bei älteren Menschen liegt häufig eine Störung in der Steuerung durch das Nervenzentrum vor.

Inkontinenz in der Pflege

Experten gehen davon aus, dass rund 25 Prozent der gesamten Pflegezeit durch Inkontinenz bedingt ist. Laut Schätzungen leiden rund 50 bis 70 Prozent aller Heimbewohner an einer Harn-Inkontinenz.

Dranginkontinenz

Diese Form macht bis zu 25 Prozent aller Blasenstörungen aus und tritt vor allem bei älteren Frauen auf. Aufgrund mangelnden Trainings wird die Blase kleiner und fasst weniger als die normale Durchschnittsmenge von 300 bis 500 ml. Der Harndrang tritt immer früher auf und führt bis zur spontanen Entleerung der Blase.

Überlauf-Inkontinenz

Bei dieser als typische Männerkrankheit geltenden Störung gehen selbst bei prall gefüllter Blase nur kleine Urinmengen ab. Ursachen können eine Muskelschwäche der Blase oder eine Einengung der Harnröhre z. B. durch die Prostata sein.

Blasentraining

Bei einer täglich konstanten Trinkmenge dehnt der Patient bewusst die zeitlichen Abstände zwischen dem Gang zur Toilette hinaus. Die Blase wird trainiert, mehr Wasser aufzunehmen und zu behalten.

Verwandte Begriffe:

Stuhlinkontinenz